Mit 97 % der ausgezählten Stimmen führt der linke Kandidat Roberto Sánchez das Präsidentschaftsrennen in Peru mit einem Vorsprung von rund 27.000 Stimmen vor der rechten Kandidatin Keiko Fujimori an. Die Differenz, die weniger als 0,1 % der gültigen Stimmen ausmacht, lässt das Ergebnis völlig offen.
Die offizielle Bekanntgabe des Siegers soll nach Angaben der Wahlbehörde erst Mitte Juli erfolgen. Grund für die Frist ist die Bearbeitung von rund 1.500 beobachteten Protokollen, die vor ihrer Einbeziehung in die Endzählung einer Prüfung zur Korrektur von Unstimmigkeiten oder Formfehlern bedürfen.
Der Sprecher des National Elections Juror (JNE), Pedro Valdívia, teilte mit, dass ein Zeitraum von bis zu 30 Tagen erforderlich sei, um die Protokolle und mögliche Nachzählungsanfragen politischer Organisationen zu analysieren. Jede Stimme in dieser Phase kann das Ergebnis der Wahl verändern.
Stimmen aus ländlichen und abgelegenen Gebieten tendieren tendenziell zu Gunsten von Sánchez von der Partei „Gemeinsam für Peru“, während Stimmen aus dem Ausland und der Metropolregion Lima eher Keiko Fujimori von Força Popular zugute kommen. Diese geografische Aufteilung erfolgte bereits in der ersten Runde und wird nun wiederholt.
Das peruanische Außenministerium gab an, dass Material von wichtigen Konsulaten, etwa denen in Paterson und Los Angeles in den Vereinigten Staaten, Buenos Aires in Argentinien und Rom in Italien, noch unterwegs sei. Auch klimatische Faktoren verzögern den Versand von Umschlägen aus schwer zugänglichen Regionen.
Während die Auszählung langsam voranschreitet, appellieren die beiden Kandidaten an Ruhe und Respekt vor den Ergebnissen. Bisher hat keiner von ihnen Betrugsvorwürfe mit Nachdruck erhoben.
Was sind beobachtete Minuten?
Bei den beobachteten Protokollen handelt es sich um Dokumente aus jedem Abstimmungstisch, die wesentliche Fehler, wie z. B. numerische Inkonsistenzen oder Übertragungsprobleme, aufweisen und daher nicht automatisch in die Zählung eingehen. Sie werden einer Analyse unterzogen, um die Gültigkeit der aufgezeichneten Stimmen sicherzustellen.
Das Verfahren umfasst die erste Instanz vor speziellen Wahljurys und, falls Berufung eingelegt wird, die abschließende Analyse durch das JNE in einer öffentlichen Anhörung. Erst nach der Beschlussfassung fließen die Stimmen in das offizielle Ergebnis ein.
Neuauszählung der Stimmen in bestimmten Fällen
Die physische Neuauszählung der Stimmzettel erfolgt, wenn unvollständige oder unleserliche Daten vorliegen oder wenn die Zahlen nicht stimmen, beispielsweise wenn die Anzahl der Stimmen die Gesamtzahl der Wähler übersteigt. Das Verfahren wird im Beisein von Behörden und Parteivertretern durchgeführt.
Die Stimmzettel werden geöffnet, einzeln ausgelegt und von den Jurymitgliedern einzeln bestätigt. Parteivertreter können in dieser Phase die Abstimmungen überwachen, aber nicht anfechten.
Diese Wahl bestätigt die Geschichte enger Auseinandersetzungen in Peru, wo minimale Differenzen bereits zu langen Zertifizierungsprozessen und politischen Spannungen geführt haben. Das Endergebnis wird nicht nur den nächsten Präsidenten bestimmen, sondern auch die Richtung der Politik in Bereichen wie der öffentlichen Sicherheit und Wirtschaftsreformen in einem Land, das von der jüngsten Instabilität geprägt ist.

