Das Staatsgericht verhängte zum dritten Mal eine Disziplinarstrafe in Höhe von 3.000 Zloty gegen die ehemalige Präsidentin Małgorzata Manowska. Die Entscheidung beruht auf der wiederholten Nichteinhaltung der Pflicht zur Einberufung einer Plenarsitzung des Gerichts trotz klarer Fristen und wiederholter Feststellungen. Der neue Präsident, Zbigniew Kapiński, wurde angewiesen, dem Aufruf unverzüglich nachzukommen.
Die Strafe steht im Zusammenhang mit dem Ausschluss von Richter Piotr Sak vom Prozess gegen den ehemaligen Präsidenten des Nationalen Rundfunkrates, Maciej Świrski. Im März 2026 ordnete ein aus drei Richtern bestehendes Gremium Manowska an, das Plenum einzuberufen, um den Mechanismus zur Bildung der Prozessgremien zu besprechen.
Kontext des Rechtsstreits
Der Fall geht auf einen Antrag auf Absetzung von Richter Piotr Sak zurück. Die Richter Przemysław Rosati, Marek Mikołajczyk und Piotr Zientarski setzten unter Androhung von Sanktionen eine Frist für die Vorladung auf den 4. April. Manowska nahm nicht an den geplanten Anhörungen teil und kam der Anordnung nicht nach.
Bei jeder Gelegenheit verhängte das Gericht eine Geldstrafe von 3.000 Zloty und legte einen neuen Termin fest. Die Anhörung fand erst am Ende ihrer Amtszeit statt, was zu erheblichen Verzögerungen im Verfahren führte.
Verteidigung und Vorwürfe politischer Motivation
In ihrer im März vorgelegten Verteidigung argumentierte Małgorzata Manowska, dass die gegen sie erhobenen Maßnahmen politischer Natur seien. Sie hielt die Erwartung einer kurzfristigen Lösung der Frage der Ernennung von Gremien für unrealistisch und wies auf Umstände hin, die auf eine parteiische Motivation hindeuten würden.
Der Vorsitzende des dreiköpfigen Gremiums, Przemysław Rosati, bekräftigte, dass dies bereits die dritte Strafe sei, die wegen Nichteinhaltung gesetzlicher Verpflichtungen verhängt worden sei. Er betonte, dass Manowska erneut ihre Pflicht nicht erfüllt habe.
Ende der Amtszeit und Übergang im Kommando
Małgorzata Manowskas Amtszeit als erste Präsidentin des Obersten Gerichtshofs und Präsidentin des Staatsgerichtshofs endete am 26. Mai 2026. Zbigniew Kapiński trat sein Amt an und übernahm die drohende Krise. Das Gericht ordnete die sofortige Einberufung der Plenarsitzung an, ohne angesichts der neuen Zuständigkeiten einen genauen Termin festzulegen.
Die nächste Anhörung zum Ausschluss von Richter Piotr Sak ist für den 29. Juli 2026 geplant. Dabei wird die aktuelle Situation hinsichtlich der Einberufung der Plenarsitzung beurteilt.
Breiterer politischer Streit im Hintergrund
Hinter dem Fall steht eine umfassende politische Kontroverse über die verfassungsrechtliche Verantwortung von Maciej Świrski. Eine Gruppe von 185 Abgeordneten reichte im Mai 2024 einen Antrag ein, ihn vor das Staatsgericht zu bringen, und warf ihm unter anderem vor, geschuldete Beträge an öffentliche Medien nicht gezahlt zu haben. Der Antrag wurde im Juli 2025 von der Kommission und dem Sejm angenommen.
Abgeordnete der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) fochten die Entscheidung an und legten Berufung beim Verfassungsgericht ein. Damit wurden zwei Bestimmungen für verfassungswidrig erklärt, der Sejm stellte jedoch in einem Beschluss vom März 2024 fest, dass die Berücksichtigung rechtswidrig ergangener Entscheidungen des Verfassungsgerichts einen Verstoß gegen den Grundsatz der Gesetzmäßigkeit darstellen könne. Seitdem wurden solche Entscheidungen nicht mehr im Amtsblatt veröffentlicht.
Was ändert sich in der Praxis für das polnische Justizsystem?
Die wiederholten Bußgelder und die Verzögerung führten zu erheblichen institutionellen Spannungen während des Machtwechsels in der polnischen Justiz. Der neue Präsident steht vor der Herausforderung, lahmgelegte Prozesse wieder in Gang zu bringen, während die Debatte über die Unabhängigkeit der Justiz und die Verantwortlichkeiten früherer Behörden andauert. Das Ergebnis der Anhörung im Juli könnte den Weg für sensible Prozesse mit politischen Persönlichkeiten aus der Vorperiode ebnen.

