Die Bundespolizei (PF) hat an diesem Donnerstagmorgen (25.6.) die zweite Phase der Operation Disclosure eingeleitet, die sich auf ehemalige Führungskräfte von Lojas Americanas, Mitglieder der Kontrollgruppe und Direktoren großer Privatbanken in Brasilien konzentriert.
Ziel der Polizeirazzia ist es, die Ermittlungen zu den Buchhaltungsunregelmäßigkeiten voranzutreiben, die zu Verlusten des Einzelhändlers in Höhe von rund 24 Milliarden R$ führten. Dieser Wert stellt den Fall als einen der bedeutendsten Skandale dar, die jemals auf dem nationalen Finanzmarkt registriert wurden.
Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass die Verschwörung mit dem Ziel geplant wurde, die wahre Finanzlage des Unternehmens zu verschleiern, wobei die Bilanzfälschung als Methode genutzt wurde.
Entdecken Sie die prominenten Namen im Visier der Operation Disclosure
- Untersucht wurden unter anderem:
- Carlos Alberto Sicupira, Referenzaktionär und Controller von Americanas.
- Paulo Alberto Lemann, Sohn des Geschäftsmanns Jorge Paulo Lemann, der Mitglied des Vorstands des Unternehmens war.
- Sérgio Rial, ehemaliger Präsident von Santander und ehemaliger CEO von Americanas.
- Eduardo Saggioro, ehemaliges Vorstandsmitglied der Einzelhandelskette.
- Alexandre Abdo und André Almeida, beide Führungskräfte bei Santander.
- Carlos Henrique Villela Pedras, Geschäftsführer bei Bradesco.
- Gustavo Balassiano und José Rudge, Führungskräfte bei Itaú.
Nach Angaben der PF gibt es Hinweise darauf, dass die Beteiligten über die mutmaßlichen Buchhaltungsmanipulationen, die über Jahre hinweg durchgeführt wurden, und über die Art und Weise, wie sie in den Finanzberichten des Unternehmens erfasst wurden, vollständig informiert waren.
Insgesamt werden neun Durchsuchungs- und Beschlagnahmungsbefehle von Bundesagenten vollstreckt, darunter persönliche Durchsuchungen von Immobilien in Rio de Janeiro und São Paulo. Die Initiative basiert auf der Zusammenarbeit des Bundesministeriums für öffentliche Sicherheit (MPF) und der Securities and Exchange Commission (CVM).
Das 10. Bundesstrafgericht von Rio de Janeiro ordnete die Beschlagnahme der Vermögenswerte und Beträge der Verdächtigen an, wobei die Grenze von 54 Milliarden R$ erreicht wurde. Nach Angaben der PF stellt dieser Betrag die Hochrechnung der mutmaßlichen Finanzbetrügereien dar, auf die Expertengutachten hinweisen, und soll einen möglichen Schadensersatz sicherstellen.
Details zur Untersuchung von Buchhaltungsmanipulationen bei Americanas
Die Umfragen deuten darauf hin, dass die mutmaßlichen Betrügereien in den Buchhaltungsunterlagen über einen längeren Zeitraum hinweg durchgeführt wurden, mit dem Ziel, die wahre wirtschaftliche und finanzielle Lage der Americanas zu verschleiern.
Nach Angaben der für die Untersuchung Verantwortlichen ermöglichte der Betrug eine künstliche Aufblähung der Finanzindizes des Unternehmens, wodurch seine tatsächliche Verschuldung verschleiert und dem Markt ein verzerrtes Bild seiner finanziellen Gesundheit vermittelt wurde.
Die Untersuchungen gliedern sich in zwei Schwerpunkte. Das erste befasst sich mit dem „gezogenen Risiko“, einem Betriebsmodell, bei dem Banken Werte an Lieferanten weitergeben. Die Untersuchung zielt darauf ab, festzustellen, ob ein Teil dieser Transaktionen verbucht wurde, um die Wahrnehmung der Schulden von Americanas illusorisch zu reduzieren.
Der zweite Schwerpunkt der Untersuchungen liegt auf „Genossenschaftlichen Werbefonds“ (VPC). Nach Angaben der Bundespolizei liegen Hinweise darauf vor, dass es sich bei einem Teil der in dieser Klassifizierung erfassten Beträge um kommerzielle Anreize ohne konkrete wirtschaftliche Grundlage handelt, die zur Erstellung von Jahresabschlüssen beigetragen hätten, die nicht der Realität des Einzelhändlers entsprochen hätten.
Darüber hinaus wird bei der Untersuchung überprüft, ob die künstliche Aufblähung der Finanzergebnisse den Unternehmensleitern Vorteile brachte, die eine variable Vergütung erhielten, die an die Leistung des Unternehmens gekoppelt war, und auch den Anlegern, die im Zeitraum der mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten Aktienverhandlungen führten.
Die untersuchten Personen werden theoretisch der Straftaten der Marktmanipulation und der kriminellen Vereinigung verdächtigt. Die Bundespolizei betont, dass im weiteren Verlauf der Ermittlungen weitere Straftaten aufgedeckt werden könnten.

