Montauk-Monster war ein verwester Waschbär laut Analysen von Zoologen an der US-Küste

Monstro de Montauk - Internet Foto: Monstro de Montauk - Internet

Das unter der Bezeichnung Montauk-Monster bekannt gewordene Wesen ist von Wissenschaftlern als gewöhnlicher Nordamerikanischer Waschbär identifiziert worden. Der stark zersetzte Kadaver war am 12. Juli 2008 am Strand von Ditch Plains im Rheinstein Estate Park angespült worden. Dieser Küstenabschnitt gehört zur Gemeinde East Hampton im Bundesstaat New York und liegt etwa zwei Meilen östlich des Zentrums von Montauk.

Die Anwohnerin Jenna Hewitt entdeckte die Überreste während eines Strandspaziergangs mit Freunden und hielt den Fund auf einem Foto fest, das sich rasch weltweit verbreitete. Die erste Veröffentlichung des Bildes erfolgte am 23. Juli 2008 in der Lokalzeitung The Independent unter der Schlagzeile The Hound of Bonacville. Das Tier wies eine verfärbte, völlig haarlose Haut, einen durch Meerwasser aufgedunsenen Körper sowie ausgeprägte Eckzähne auf, während die vordere Schädelpartie an einen Schnabel erinnerte.

Zoologische Untersuchung entlarvt veränderten Waschbärkadaver

Der britische Paläontologe Darren Naish und Larry Penny, der damalige Leiter der Umweltbehörde von East Hampton, unterzogen das Bildmaterial einer eingehenden Analyse und ordneten das Tier der Art Procyon lotor zu. Sämtliche anatomischen Auffälligkeiten ließen sich vollständig auf biologische sowie taphonomische Prozesse zurückführen. Die lange Verweildauer des toten Körpers im Meerwasser hatte das Gewebe vor dem Antreiben an Land drastisch verändert.

Durch den vollständigen Verlust des Fells trat die aufgequollene Lederhaut hervor, während Fäulnisprozesse das Weichgewebe und die Knorpel der Schnauzenregion zersetzten. Infolgedessen lag der Zwischenkieferknochen frei, was bei Betrachtern die optische Täuschung eines gebogenen Schnabels hervorrief. Die sichtbare Zahnreihe wies zudem typische Merkmale von Landsäugetieren auf, was Theorien über Meeresvögel oder Meeresschildkröten widerlegte.

Ausschlaggebend für den Ausschluss anderer Tierarten wie Hunden, Schweinen, Kojoten oder panzerlosen Schildkröten war vor allem die Struktur der Gliedmaßen. Darren Naish legte die entscheidenden morphologischen Merkmale in seiner fachlichen Begutachtung detailliert dar.

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“Die Zehen an den Vorderpfoten haben den Fall für mich aufgeklärt: Der Kadaver von Montauk besitzt sehr merkwürdige, längliche und beinahe menschlich wirkende Finger mit kurzen Krallen. Waschbären sind bekannt für ihre ausgesprochen beweglichen Finger, denen die für Raubtiere typischen Schwimmhäute fehlen”, erklärte Darren Naish in seiner Analyse.

Gerüchte um militärische Geheimprojekte und Plum Island

Noch vor der Veröffentlichung zoologischer Erklärungen kursierten im Internet wilde Gerüchte über angebliche genetische Experimente und militärische Labore. Der Fundort Ditch Plains liegt auf Long Island in räumlicher Nähe zu zwei staatlichen Liegenschaften, die bereits Gegenstand zahlreicher Verschwörungstheorien waren. Dabei handelt es sich um den stillgelegten Luftwaffenstützpunkt Camp Hero und das staatliche Forschungszentrum Plum Island Animal Disease Center.

Der Stützpunkt Camp Hero gehörte einst der United States Air Force und wurde mit dem sogenannten Montauk-Projekt verknüpft, einer modernen Legende über geheime Regierungsexperimente, die später als Vorlage für die Serie Stranger Things diente. Gleichzeitig vermuteten viele Strandbesucher hinter der Kreatur ein mutiertes Labortier, das aus der Quarantäne des Tierseuchenforschungszentrums auf Plum Island entkommen sein könnte.

“Wir scherzten damals, dass es sich um etwas handeln könnte, das von Plum Island stammt”, sagte Jenna Hewitt rückblickend über die ersten Reaktionen am Strand. Die Entdeckerin maß dem Fund im ersten Moment keine wissenschaftliche Bedeutung bei.

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Ähnliche Funde an Küstenabschnitten im Bundesstaat New York

Das Auftauchen toter Landsäugetiere in Küstengewässern führt an Stränden der Vereinigten Staaten regelmäßig zu visuellen Fehleinschätzungen. Zersetzung und Strömungseinwirkung verändern den Körperbau von Nagern und Raubtieren binnen weniger Tage so stark, dass eine Identifizierung durch Laien kaum möglich ist.

Ein vergleichbarer Vorfall ereignete sich am 22. Juli 2012 und rief sofort Parallelen zum Geschehen in Montauk wach. Die Fotografin Denise Ginley dokumentierte damals rund 20 Aufnahmen eines aufgequollenen Tierkörpers unter der Brooklyn Bridge am Ufer des East River in New York City. Die Veröffentlichung im New Yorker Stadtmagazin Gothamist entfachte erneut hitzige Spekulationen darüber, ob es sich um einen Hund, ein Schwein, einen Waschbären oder eine deformierte Riesenratte handelte.

Spurloses Verschwinden der Überreste vor einer Obduktion

Trotz des enormen internationalen Medieninteresses und der fundierten Fotoanalysen durch Fachleute wurde der Originalkadaver aus Ditch Plains nie einer Obduktion im Labor unterzogen. Das tote Tier verschwand bereits kurze Zeit nach den ersten Aufnahmen vom Strandabschnitt, sodass die örtlichen Behörden den Verbleib der Überreste bis heute nicht amtlich klären konnten.

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