Das Oberste Wahlgericht Brasiliens (Tribunal Superior Eleitoral, TSE) hat die Veröffentlichung der Ergebnisse der Präsidentschafts-Stichwahl am Sonntag (25) kurz nach Beginn der Auszählung vorübergehend gestoppt. Zum Zeitpunkt der Unterbrechung um 17:06 Uhr (Ortszeit Brasília), als 0,25 Prozent der Wahlurnen beziehungsweise 1.225 Wahllokale ausgewertet waren, lag Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei (PT) mit 57,66 Prozent der gültigen Stimmen vorn. Sein Herausforderer, der Senator Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei (PL), erreichte in dieser ersten Teilauswertung 42,34 Prozent. Hintergrund der Pause ist eine Entscheidung von Richter Cristiano Zanin vom Obersten Bundesgericht (Supremo Tribunal Federal, STF), der die Stimmabgabe im gesamten Land um zwei Stunden bis 19:00 Uhr verlängerte.
In absoluten Zahlen verbuchte Amtsinhaber Lula, der auf dem elektronischen Wahlgerät mit der Nummer 13 antritt, beim eingefrorenen Zwischenstand 193.574 gültige Stimmen. Für Flávio Bolsonaro, der mit der Nummer 22 um das höchste Staatsamt kandidiert, wurden bis dahin 142.169 Stimmen gezählt. Die oberste Wahlbehörde hatte planmäßig ab 17:00 Uhr mit der Freigabe der ersten Daten begonnen, unmittelbar nachdem die reguläre Wahlzeit in Brasilien abgelaufen war.
Den Eilantrag auf Verlängerung der Öffnungszeiten hatte das Wahlkampfbündnis von Lula eingereicht, nachdem in mindestens neun Bundesstaaten – darunter São Paulo, Rio de Janeiro, Pernambuco, Pará und Paraná – sowie zuvor in den Städten Salvador, Feira de Santana und Lauro de Freitas im Bundesstaat Bahia Störungen im öffentlichen Nahverkehr gemeldet worden waren. Auch das Lager von Flávio Bolsonaro hatte beim TSE eine Verlängerung wegen starker Regenfälle in mehreren Regionen beantragt. Zanin begründete die landesweite Anordnung mit der Dringlichkeit der um 16:32 Uhr beim Verfassungsgericht eingegangenen Berichte und wies das TSE an, die Urnen bis 19:00 Uhr offenzuhalten.
Insgesamt sind bei der Entscheidung am 25. Oktober 2026 genau 158.745.502 registrierte Bürgerinnen und Bürger im Inland sowie in den diplomatischen Vertretungen im Ausland zur Stimmabgabe aufgerufen. Im ersten Wahlgang am 4. Oktober hatte Flávio Bolsonaro 47,03 Prozent der gültigen Stimmen erzielt, während Lula auf 45,16 Prozent gekommen war. Bereits am Sonntagmorgen um 09:30 Uhr hatte die Wahljustiz die Vorschriften veröffentlicht, nach denen Wahlberechtigte ein Fernbleiben von der Stichwahl offiziell begründen müssen, da in Brasilien für alphabetisierte Bürger zwischen 18 und 70 Jahren Wahlpflicht besteht. Der Sieger der Wahl tritt sein Amt am 5. Januar 2027 an.
Zwischenstand der Auslandsstimmen in Asien und Ozeanien
Noch vor der Öffnung der landesweiten Statistik in Brasilien lagen dem TSE die Urnenprotokolle (Boletins de Urna) aus den Wahllokalen im Ausland vor. Nach der bis 10:40 Uhr (Ortszeit Brasília) erfassten und um 11:26 Uhr veröffentlichten Teilauswertung führte Flávio Bolsonaro die internationale Zählung mit 33.642 Stimmen an und sicherte sich die Mehrheit in sieben Staaten. In Japan, der größten brasilianischen Wählergemeinschaft der Region, gewann der Senator mit 28.538 zu 7.098 Stimmen, was einem Anteil von 80,08 Prozent gegenüber 19,92 Prozent für den Amtsinhaber entspricht. Auch in Hongkong lag der PL-Kandidat mit 133 zu 127 Stimmen vorn.
Luiz Inácio Lula da Silva kam im selben Auslands-Zwischenstand von 10:40 Uhr auf insgesamt 15.272 Stimmen und lag in fünf Ländern an der Spitze. Bereits um 09:17 Uhr hatten die ersten Meldungen aus der asiatischen Zeitzone eine Führung von Flávio Bolsonaro in sechs Staaten und Siege von Lula in fünf Ländern gezeigt. Zu den Staaten mit einer Mehrheit für den Präsidenten zählten Australien mit 6.017 zu 3.465 Stimmen (63,46 Prozent), Neuseeland mit 418 zu 101 Stimmen (80,54 Prozent), Festlandchina mit 375 zu 134 Stimmen (73,67 Prozent), Singapur mit 213 zu 81 Stimmen sowie Südkorea mit 148 zu 82 Stimmen.
Stimmabgabe der beiden Präsidentschaftskandidaten im Südosten
Beide Bewerber um das Präsidentenamt gaben ihre Stimme am Vormittag des Sonntags (25) im Südosten Brasiliens ab. Flávio Bolsonaro wählte am frühen Morgen in der städtischen Schule Escola Municipal Barão Homem de Mello im Stadtteil Vila Isabel im Norden von Rio de Janeiro. Der Senator erschien dort in Begleitung von Douglas Ruas und forderte bei seinem Auftritt einen politischen Wechsel im Land.
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wählte gegen 10:00 Uhr in der staatlichen Schule Escola Estadual Dr. João Firmino Correia de Araújo im Viertel Assunção in São Bernardo do Campo im Bundesstaat São Paulo. Die Stimmabgabe des Staatschefs in der Bildungseinrichtung im Großraum São Paulo wurde im offiziellen Wahlbericht um 10:11 Uhr dokumentiert.
Sicherheitsvorfälle in zwei Bundesstaaten und zeitlicher Ablauf
Überschattet wurde der Wahlvormittag von zwei polizeilich erfassten Vorfällen in den Bundesstaaten Minas Gerais und Goiás. In der Stadt Montes Claros in Minas Gerais erlitt die Stadträtin Iara Pimentel Verletzungen im Gesicht, nachdem sie mit Steinen und Flaschen angegriffen worden war. Im Bundesstaat Goiás kam ein 19-jähriger Mann ums Leben, als er während eines Autokorsos zur Unterstützung von Flávio Bolsonaro von einem Lastwagen stürzte.
Der Wahltag verlief nach der offiziellen Zeitzone der Hauptstadt Brasília in folgenden Etappen:
- 09:17 Uhr: Erste Ergebnisse aus Asien zeigen Mehrheiten für Lula in fünf Ländern und eine Führung von Flávio Bolsonaro in sechs Staaten.
- 09:27 Uhr: Meldung über den Angriff mit Flaschen und Steinen auf die Stadträtin Iara Pimentel in Montes Claros.
- 09:30 Uhr: Bekanntgabe der TSE-Richtlinien zur Begründung einer Nichtteilnahme an der Stichwahl.
- 09:37 Uhr: Bestätigung des tödlichen Unfalls eines 19-Jährigen bei einer Wahlkampffahrt für Flávio Bolsonaro in Goiás.
- 09:54 Uhr: Bericht über die Stimmabgabe von Flávio Bolsonaro im Norden von Rio de Janeiro gemeinsam mit Douglas Ruas.
- 10:00 Uhr: Stimmabgabe von Luiz Inácio Lula da Silva in São Bernardo do Campo im Bundesstaat São Paulo.
- 10:40 Uhr: Abschluss des TSE-Zwischenberichts für das Ausland mit 33.642 Stimmen für den PL-Kandidaten und 15.272 Stimmen für den PT-Bewerber.
- 17:00 Uhr: Regulärer Beginn der Stimmenauszählung durch das TSE nach Schließung der ersten Urnen.
- 17:06 Uhr: Einfrieren der Ergebnisveröffentlichung bei 0,25 Prozent ausgezählter Urnen infolge der vom STF angeordneten Wahlzeitverlängerung bis 19:00 Uhr.
