3I/ATLAS rast mit 137.000 km/h durch das innere Sonnensystem

5 Min. Lesezeit
3I/Atlas Foto: 3I/Atlas - Foto: 3Dsculptor/Shutterstock.com

Forscher der Raumfahrtagenturen NASA und ESA untersuchen mit dem Objekt 3I/ATLAS den dritten bestätigten Himmelskörper, der von außerhalb unseres Sonnensystems stammt. Das ATLAS-Teleskop in Chile spürte den interstellaren Kometen am 1. Juli 2025 auf, als dieser auf einer hyperbolischen Bahn durch das All zog und ein ungewöhnliches bläuliches Leuchten abgab. Seinen sonnennächsten Punkt, das Perihel, durchlief der Körper am 30. Oktober 2025 in einer Distanz von 1,4 Astronomischen Einheiten zur Sonne. Für die Erde bestand bei einem Mindestabstand von 1,8 Astronomischen Einheiten zu keiner Zeit ein Risiko, während internationale Teams die Flugbahn und die chemischen Bestandteile auswerten, um Rückschlüsse auf die Frühphase der Galaxie zu ziehen.

Messungen belegen eine eindeutige Kometenaktivität mit einem Staubschweif sowie einer diffusen Koma. Das Alter des Himmelskörpers wird auf 7 bis 14 Milliarden Jahre geschätzt, womit er älter als unser Sonnensystem ist; das Weltraumteleskop Hubble lieferte bereits im Juli 2025 Aufnahmen des Kerns und der ausgestoßenen Materie.

Für die wichtigsten physikalischen Eigenschaften von 3I/ATLAS verzeichneten die Instrumente spezifische Werte:

  • Bahngeschwindigkeit: Rückwirkend ausgewertete Messdaten vom Juni 2025 belegten die hyperbolische Umlaufbahn bei einem Tempo von 137.000 km/h.
  • Ausdehnung der Koma: Der Durchmesser vergrößerte sich im Juli 2025 von 13.000 auf 18.000 Kilometer.
  • Helligkeitsverlauf: Das Ausbleiben plötzlicher Helligkeitsausbrüche belegt die strukturelle Stabilität des Körpers.
  • Nachgewiesene Verbindungen: Spektralanalysen bestätigten Spuren von Wasserdampf und Carbonylsulfid.

Sichtung in Chile löst weltweite Beobachtungskampagne aus

Auf den Aufnahmen des chilenischen ATLAS-Teleskops zeigte sich 3I/ATLAS zunächst als lichtschwacher, rasch ziehender Punkt, woraufhin Astronomen umgehend seine interstellare Herkunft bestätigten. Die Entdeckung setzte eine internationale Zusammenarbeit zur lückenlosen Verfolgung des Objekts in Gang.

Sternwarten in Australien, Chile und auf Hawaii starteten daraufhin koordinierte Messprogramme zur Überwachung der Flugbahn. Am 21. Juli 2025 dokumentierte das Hubble-Weltraumteleskop im Rahmen dieser Kampagne eine rötlich gefärbte Staubkoma um den Kern.

Vorbeiflüge am Mars und an der Venus liefern Spektraldaten

Am 3. Oktober 2025 zog der Himmelskörper in einer Entfernung von 30 Millionen Kilometern am Mars vorbei. Diese Passage nutzten die Raumsonden Mars Express und ExoMars Trace Gas Orbiter, um detaillierte Spektraldaten des Kometen aufzuzeichnen.

Mit seiner Geschwindigkeit von 137.000 km/h passierte das Objekt am 3. November 2025 zudem die Venus in einer Distanz von 97 Millionen Kilometern, ohne dass es zu nennenswerten gravitativen Wechselwirkungen kam. Bereits am 6. August 2025 hatte das James-Webb-Weltraumteleskop das Ausgasen des Körpers erfasst, während die ESA für November 2025 Beobachtungen durch die hochentwickelten Sensoren der Raumsonde Juice ansetzte.

Nachdem der Komet am 31. Oktober 2025 wieder für Teleskope auf der Erde sichtbar geworden war, richteten sich weitere Instrumente auf das Objekt. Während dieser Phase überwachten die Sonnenobservatorien SOHO und PUNCH die Konjunktion mit der Sonne.

Kohlendioxid dominiert die Ausgasungen von 3I/ATLAS

Messungen mit den Weltraumteleskopen James Webb und SPHEREx zeigten, dass Kohlendioxid den Hauptbestandteil der freigesetzten Gase bildet, während Kohlenmonoxid und Wassereis in kleineren Anteilen auftreten. Die Anteile von Nickeldampf und Cyanidgas ähneln denen gewöhnlicher Kometen des Sonnensystems, wobei mikrometergroße Staubpartikel für die anfänglich rötliche Färbung der Koma sorgten.

Siehe auch: Die NASA überwacht den interstellaren Kometen 3I/ATLAS nach der Entdeckung beispielloser Radiowellen

Mit abnehmender Distanz zur Sonne wandelte sich der Farbton ins Bläuliche, was auf Veränderungen der Oberfläche durch Sublimation hindeutet, ohne dass ein sichtbarer Masseverlust auftrat. Das Neil Gehrels Swift Telescope wies im Juli und August 2025 Wasserdampf nach, während die zunehmende Sonnennähe zugleich die Konzentration von Nickel ansteigen ließ.

NASA widerspricht Thesen über künstlichen Ursprung

Messdaten belegen eine unregelmäßige Rotation sowie eine Beschleunigung des Körpers ohne sichtbaren Masseverlust. Der an der Universität Harvard tätige Wissenschaftler Avi Loeb fasste diese Eigenschaften in einer Liste von acht Anomalien zusammen.

Die US-Raumfahrtbehörde NASA stuft 3I/ATLAS dagegen als natürlichen Kometen ein und sieht keinerlei Anhaltspunkte für einen technologischen Ursprung. Diese Bewertung stützt sich auf die aufgezeichneten Spektren, die vollständig mit den Prozessen einer normalen Gassublimation übereinstimmen.

Modelle verorten die Herkunft in der dicken Scheibe der Milchstraße

Computergestützte Berechnungen beziffern das Alter von 3I/ATLAS auf 7,6 bis 14 Milliarden Jahre und verorten seine Entstehung in der dicken Scheibe der Milchstraße, einer sternreichen Region mit geringem Anteil an schweren Elementen. Weitere Auswertungen nennen eine Altersspanne von 3 bis 11 Milliarden Jahren, wobei eine hohe Vertikalgeschwindigkeit auf eine geneigte galaktische Umlaufbahn schließen lässt, die über Milliarden Jahre durch Begegnungen mit Sternen abgelenkt wurde.

Nach seiner langen Reise durch den Kosmos lässt sich der Komet seinem ursprünglichen Mutterstern nicht mehr zuordnen. Für die Forschung dient der Körper damit als direktes Untersuchungsmuster für die chemische Zusammensetzung des frühen interstellaren Raums.

ESA plant ab 2029 Einsatz der Sonde Comet Interceptor

Um künftig ursprüngliche Himmelskörper sowie interstellare Objekte wie 3I/ATLAS direkt untersuchen zu können, bereitet die europäische Raumfahrtagentur ESA für das Jahr 2029 die Mission Comet Interceptor vor, die in einer Warteposition im All stationiert werden soll. Weltweit fließen die gesammelten Messwerte von 3I/ATLAS unterdessen in Studien zur Entstehung von Planeten ein.

Mehrere zusammenarbeitende Instrumente schließen die Beobachtungslücken während der Sonnenkonjunktionen und belegen, dass das bläuliche Leuchten vor allem aus Emissionen der Moleküle C2 und NH2 resultiert. Mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Sekunde steuert der Komet wieder aus dem Sonnensystem heraus, das er innerhalb eines Jahrzehnts verlassen wird.

Carolina Costa é colaboradora da redação do Mix Vale, portal de notícias com cobertura de Brasil e mundo. Produz conteúdo nas editorias de economia e benefícios, com foco em informação de serviço para o leitor brasileiro. Escreve para o portal desde 2019. Formação: Administração

Notícias relacionadas