Forscher entdecken Kraken und lernen, Spiegel für fortgeschrittenes räumliches Denken zu nutzen
Aktuelle Forschungsergebnisse, die in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht wurden, ergaben, dass Kraken in der Lage sind, mithilfe von Spiegeln den Standort versteckter Nahrung zu identifizieren. Diese bemerkenswerte Demonstration des räumlichen Denkens, die bisher bei Wirbellosen nicht beobachtet worden war, überraschte die wissenschaftliche Gemeinschaft.
Die Spiegel-Herausforderung für Zweipunkt-Oktopusse
Um die Intelligenz dieser Mollusken besser zu verstehen, führten Wissenschaftler am Dartmouth College ein faszinierendes Experiment durch. Die Studie umfasste drei Exemplare kalifornischer Zweipunktkraken (Octopus bimaculoides) und ihr Hauptziel bestand darin, zu überprüfen, ob diese Tiere darauf trainiert werden konnten, mithilfe eines Spiegels eine Nahrungsquelle zu lokalisieren, die außerhalb ihres direkten Sichtfelds lag.
Der kognitive Neurowissenschaftler und Dartmouth-Professor Peter Tse äußerte sich zur Lernfähigkeit. „Wir werden nicht mit dem Wissen geboren, wie man einen Spiegel benutzt, aber wir lernen es. Kraken können auch lernen, einen Spiegel zu benutzen, um auf den Standort von Dingen in der Welt zu schließen“, erklärte Tse.
Im frühen Stadium des Spiegeltrainings beschäftigten sich Oktopusse zunächst mit dem Spiegelbild ihrer Beute. Es dauerte zwischen zehn und zwölf Versuchen, bis jedes Tier lernte, sich der Königskrabbe zu nähern und dabei das reflektierte Bild zu ignorieren.
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Dann, nachdem ich mich mit den Spiegeln vertraut gemacht hatte, begannen die Lackmustests. Um jeglichen Einfluss von Geruch oder Geschmack auszuschließen, wurden anstelle realer Beute virtuelle Bilder von Krabben verwendet.
Jeder Oktopus wurde in eine offene Kiste gelegt, mit einem Spiegel genau davor. Hinter dem Tier war eine virtuelle Krabbe zu sehen, die nur durch den Spiegel sichtbar war. Um die Belohnung, eine echte Krabbe, zu erhalten, musste der Oktopus den Standort der Krabbe richtig identifizieren und sich auf sie zubewegen.
Trotz der erheblichen Unterschiede zwischen den Trainings- und Testaufgaben – beim Training machten die Kraken eine 90°-Drehung in der Nähe des Spiegels, und beim Test mussten sie den Startbereich verlassen, eine 180°-Drehung machen und auf den Boden des Beckens gehen oder eine Wand erklimmen – trafen die Tiere bei 73 % der Versuche den richtigen Standort.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Kraken die auf den Spiegel projizierte räumliche Beziehung verstanden und sich nicht nur visuelle Hinweise im Zusammenhang mit der Belohnung einprägten. Dieses Verständnis legt eine komplexere Ebene der Erkenntnis nahe als bloße Konditionierung.

Auswirkungen auf das Verständnis der Evolution der Intelligenz
Die Forscher betonten, dass diese Entdeckungen die Art und Weise verändern könnten, wie die Evolution der Intelligenz verstanden wird. Die Fähigkeit eines evolutionär so weit entfernten Lebewesens wie Kraken, eine ähnliche neuronale Lösung für eine komplexe kognitive Herausforderung wie die Verwendung von Spiegeln zu entwickeln, untermauert die Theorie der konvergenten Evolution, bei der verschiedene Arten zu ähnlichen Wegen zur Lösung von Problemen gelangen.
Mary Kieseler, eine der Forscherinnen, betonte diesen evolutionären Abstand. „Oktopusse gehören zu den Tieren, die evolutionär gesehen am weitesten vom Menschen entfernt sind, da unser letzter gemeinsamer Vorfahre ein Wurm war, der vor 350 bis 500 Millionen Jahren lebte“, sagte er.
Die Verwendung von Spiegeln zur Identifizierung von Objekten, die nicht direkt sichtbar sind, gilt als eine Form der vermittelten Wahrnehmung und wird von einigen Wissenschaftlern als möglicher Vorläufer der Selbsterkennung angesehen. Diese Fähigkeit ist für die Navigation und das Überleben vieler Raubtiere von grundlegender Bedeutung.
„Raubtiere sind sehr effektiv, wenn sie eine mentale Karte ihres Territoriums haben, sodass sie wissen, wo sie sich im Verhältnis zur Umgebung befinden“, fügte Tse hinzu. „Unsere Arbeit legt nahe, dass Kraken möglicherweise auch interne Karten haben, eine interne Darstellung des Raums.“
Weitere Studien sind erforderlich, um festzustellen, ob das Lernen von Kraken durch einfache Assoziationen erfolgt oder ob sie tatsächlich eine interne Raumkarte verwenden, um in der Umgebung zu navigieren und mit ihr zu interagieren.














